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…sind eine lange Zeit. Sogar im Leben eines Menschen. Vielleicht war sie schon da, als die Kinder der Familie geboren worden sind. Vielleicht hat sie nachts mit der Mutter in der stillen Wohnung gewacht, wenn die Kinder krank waren. Sicher hat sie ihnen später bei den Hausaufgaben Gesellschaft geleistet. Womöglich auch manche heimliche Träne abgeleckt – nach einer schlechten Schulnote, beim ersten Liebeskummer….

Während IHRE Kinder erwachsen wurden, ist sie alt geworden. Und schließlich uralt.

Und dann hat man sie verloren.

Wie das?

Wohl kaum ist sie durch die Haustüre entwischt auf der Suche nach dem großen Abenteuer. Sicher auch nicht durch den Zaun gekrochen, der dreiundzwanzig Jahre lang die Grenze ihrer Welt war.

Eher schon hat man sie verloren gehen lassen.

Vielleicht war sie lästig geworden – der alte Hund, der nicht mehr ganz so gut riecht, nichts mehr hermacht und nur noch als lebendes Mahnmal der eigenen Vergänglichkeit im Körbchen herumliegt. Vielleicht wollte man sie nicht sterben sehen und hatte gehofft, das Problem würde sich von alleine lösen, irgendwie …. ein Hundchen, das die Welt da draußen nie kennen gelernt hat, mittlerweile längst blind und taub ist, und so feine, uralte Knochen brechen ja leicht, da reicht schon ein Tritt, ein unachtsamer Autofahrer, und das Problem wäre aus der Welt geschafft.

Doch wie das Leben so spielt – der Hundefänger war schneller. Und nein – man möchte sie nicht mehr zurückhaben. Zu alt. Nichts mehr wert. Besser sie wäre tot.

Nun sitzt der uralte Hund, der nie etwas anderes als seine Wohnung und seine Familie kennen gelernt hat, gefangen in seiner schwarzen, stillen Welt im Zwinger, während es ringsum nach Frust, Zorn und Resignation riecht.

Man möchte fast wünschen, ein Auto wäre schneller gewesen….